Entwicklung der Wahrnehmung in den ersten drei Lebensjahren
Schon vor der Geburt sind die Sinne des Kindes funktionsfähig. Nach der Geburt entwickelt sich die Zusammenarbeit (sensorische Integration) zwischen den verschiedenen Sinnessystemen im Verlauf der folgenden Monate durch Übung und Erfahrung.
Im ersten Lebensjahr
Der Tastsinn entwickelt sich im Mutterleib vor allen anderen Sinnessystemen. Für Babys ist die Haut das wichtigste Kommunikationsmittel. Sie erforschen Dinge mit Mund, Lippen und Zunge. Im Zuge der weiteren Entwicklung gewinnen die Fingerspitzen mehr und mehr an Bedeutung.
Das Sehen ist einige Wochen vor der Geburt funktionsfähig. Säuglinge können nicht nur hell und dunkel, sondern sogar Muster unterscheiden. Dabei bevorzugen sie gesichtsähnliche Muster und vor allem das menschliche Antlitz selbst. In einem Abstand von ca. 20 cm können Babys am besten sehen.
Schon im Mutterleib hören Kinder Geräusche. Kurz nach der Geburt können sie Töne lokalisieren, Tonunterschiede wahrnehmen und Bezugspersonen am Klang ihrer Stimme erkennen..
Auf süßen und salzigen Geschmack reagieren sie mit Saugreflexen, saure und bittere Nahrung wird deutlich abgelehnt.
Bereits im Mutterleib entwickelt sich der Gleichgewichtssinn und der Bewegungssinn. Der Gleichgewichtssinn koordiniert alle anderen Sinne. Im gesamten ersten Lebensjahr sind Kinder damit beschäftigt, sich mit der Schwerkraft auseinanderzusetzen (z. B. durch Kopfheben, Umdrehen, Rollen, Krabbeln, Aufrichten, Stehen, Gehen usw.).
Im zweiten Lebensjahr
Kinder erkunden nun unermüdlich die Umgebung und experimentieren mit vielen Materialien. Sie räumen Gegenstände ein und aus, stecken Dinge ineinander oder stellen sie aufeinander. Das vermehrte Hantieren verbessert das Greifen und damit die Koordination von Auge und Hand.
Die Feinmotorik ist so weit entwickelt, dass Kinder ein paar Bauklötze aufeinanderstellen, mit einem Stift kritzeln und beim Essen Löffel und Tasse halten können. Jetzt sind viele Kinder in der Lage, Gegenstände nach einem Merkmal (z. B. nach Form, Größe, Farbe) zu ordnen und Formen in eine Sortierbox bzw. ein Formenbrett einzupassen.
Sie betrachten erste Bilderbücher und beginnen damit, Gegenstände auf Bildern zu benennen.
Ab Mitte des zweiten Lebensjahres können sich schon viele Kinder selbst im Spiegel erkennen. Sie halten ihr Spiegelbild nicht mehr für ein anderes Kind.
Im dritten Lebensjahr
Jetzt beginnen Kinder damit, vermehrt zu konstruieren (sie backen z. B. Kuchen aus Sand und bauen Türme aus Holzklötzen).
Sie ordnen Dinge nach Merkmalen (z. B. viel – wenig, hoch – niedrig usw.), sortieren Gegenstände nach zwei Merkmalen, verstehen „auf“, „unter“, „vor“, „hinter“, „neben“ usw.
Mit etwa drei Jahren können Kinder die Grundfarben unterscheiden bzw. benennen (Farbbezeichnungen werden jedoch noch öfters verwechselt – besonders Grün und Blau). Sie können Kinderlieder mit- und nachsingen, Geräusche unterscheiden und zuordnen und erste Instrumente schlagen. Die Entwicklung des Sprachverständnisses und der Sprachproduktion ist in vollem Gange.
Kinder bewegen sich jetzt gern laufend/rennend (beide Beine sind vom Boden abgehoben), gehen Treppen im Wechselschritt, überspringen Seile und Striche, übersteigen Zwischenräumen, können aus geringer Höhe hinunterspringen.